Abtreibungen in Deutschland


Menschsein beginnt bereits vor der Geburt

Verein Kaleb Westerzgebirge Sosa hilft Schwangeren bei der Konfliktbewältigung

 

Von Frank Walenszus

 

2927 Babys erblickten im vergangenen Jahr im Erzgebirgskreis das Licht der Welt. Zu wenig befinden Agnes und Reiner Weigel vom Verein Kaleb Westerzgebirge Sosa angesichts der Abtreibungen im Freistaat Sachsen von 6199 lebensfähigen Babys. Kaleb hat es sich zur Aufgabe gemacht Leben zu bewahren und schwangeren Frauen zu helfen. Er ist die erste Lebensrechtsbewegung in Ostdeutschland. Die katholische und die evangelische Kirche führte gemeinsam mit Kaleb eine Woche für das Leben durch. Motto: „Von Anfang an uns anvertraut – Menschsein beginnt vor der Geburt". Nach Angaben des Statistischen Landesamts wurden 2008 im Freistaat rund 33.900 Kinder geboren – 6199 Babys hätten es mehr sein können. Sie wurden im Mutterleib durch Abtreibung getötet, 154 weniger als im Jahr zuvor, doch jedes getötete Baby ist eines zu viel. Der Verein Kaleb Westerzgebirge sieht deshalb keine Trendwende. Im Freistaat wurden seit 2002 laut Statistischem Landesamt insgesamt 45941 Schwangerschaften abgebrochen, 11530 mehr als im Jahr 2008 Kinder geboren wurden. „Diese Zahlen sind verheerend. Wo bleibt da der Aufschrei auch in Sachsen", fragen Agnes und Reiner Weigel. „Dem Werteverfall in der Gesellschaft, in der Sexualität nur noch ein Spaß- und Lustfaktor ist, wollen wir christliche Werte wie Liebe und Partnerschaft entgegensetzen."

 

Die Verantwortung des Mannes für das neue Leben werde zunehmend ausgeblendet, ist sich Agnes Weigel sicher. Das bewirke einen hohen seelischen Druck auf die Schwangere. Keinesfalls will der Verein Frauen, die abtreiben, anprangern. Ziel sei es, ihnen bei der Lösung von Konflikten im Zusammenhang mit der Schwangerschaft zu helfen. Bereits zuvor müsse jedoch tiefgründig über Sexualität, Partnerschaft und Schwangerschaft aufgeklärt werden. Der Verein bietet zudem Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch Hilfe an. „In unserem Land müssen das Mutter- und Vatersein sowie die Ehe wieder aufgewertet werden als ein Schutzraum für Schwangere", fordert Reiner Weigel. Die Einnahme der Pille zum Abbruch der Schwangerschaft bis zur sechsten Woche bewirkt zudem, dass viele Frauen seelisch erkranken. „Erst später wird es ihnen bewusst, dass sie selbst Hand an ihr Kind gelegt haben", weiß Agnes Weigel. „Sie bedürfen dann für lange Zeit psychologischer Betreuung." Immerhin würden laut soziologischen Erhebungen 70 Prozent der Frauen nach einem Abbruch darunter leiden. Der Verein berät zwar Schwangere, lehnt es aber ab, sogenannte Beratungsscheine als Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch auszustellen. „Deshalb erhält er keine Fördermittel und finanziert sich ausschließlich durch Spenden und Leistungen der Mitglieder. Reiner Weigel: „Unsere Beratung erfolgt ehrenamtlich, wertneutral und ergebnisoffen." Nimmt man die Abtreibungen allein des Jahres 2008 zum Maßstab, müssten in Schulen des Freistaats in rund 250 Klassenzimmern auf jedem Platz vermerkt sein: „Ich wollte hier lernen, doch man nahm mir das Leben", beschreiben es Agnes und Reiner Weigel.

 

Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr rund 675 000 Kinder in Deutschland geboren. Das waren 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr, als  etwa 683 000 Neugeborene das Licht der Welt erblickten. Die Zahl der Abtreibungen ging im vergangenen Jahr in Deutschland um 2387 auf rund 114 500 zurück. Deutschlandweit würden täglich durchschnittlich mehr als 325 Babys durch Abtreibung getötet. Bei 40 Prozent der Frauen, die abtrieben, habe es sich um eine Erstlingsgeburt gehandelt. Mehr als 97 Prozent aller Kindestötungen im Mutterleib wurden nach der Beratung vorgenommen. Knapp die Hälfte der angehenden Mütter war ledig und rund 45 Prozent verheiratet. Nur knapp drei Prozent der Abbrüche waren medizinisch begründet. In den Jahren seit der Neuregelung des Strafgesetzbuch-Paragrafen 218 sind laut Statistischem Bundesamt rund 1,5 Millionen Kinder vor der Geburt getötet wurden.

Von den minderjährigen Mädchen waren fast ausschließlich (99,7 Prozent) ledig und der überwiegende Teil (98,6 Prozent) hatte vor dem Schwangerschaftsabbruch noch keine Kinder geboren. Allerdings gaben 1,4 Prozent der Betroffenen an, bereits ein Kind zur Welt gebracht zu haben.

 

Insgesamt wurde in 47,8 Prozent aller Fälle die Schwangerschaft vor der achten Schwangerschaftswoche abgebrochen, bei den unter 18-Jährigen betrug der Anteil 41,8 Prozent. Der Anteil der Abbrüche in der achten bis einschließlich zwölften Woche betrug an der Gesamtzahl der Fälle 50,2 Prozent, bei Minderjährigen wurden jedoch in diesem Zeitraum 57,5 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. Insgesamt wurden damit 98 Prozent aller Abbrüche bis einschließlich zur zwölften Schwangerschaftswoche vorgenommen, bei den Minderjährigen waren es 99,3 Prozent der Fälle. Die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer liegt bei den unter 18-Jährigen bei 8,1 Wochen und damit um 0,2 Wochen höher als in der Gesamtzahl der Fälle, bei denen die durchschnittliche Dauer bei 7,9 Wochen liegt.

 

Der Anteil der Minderjährigen an allen Schwangeren, die 2008 in Deutschland einen Abbruch vornehmen ließen, liegt bei 4,7 Prozent. Diese Zahl war 2008 mit 5.347 Abtreibungen rückläufig, das ist ein Minus von 13,4 Prozent und damit 828 Fälle weniger als im Vorjahr, doch immer noch zu hoch. Laut Statistischen Bundesamt erhöhte sich die Zahl der Sterbefälle im vergangenen Jahr um 20 000 gegenüber 2007 auf 844 000. Damit wurden 2008 rund

169 000 weniger Kinder geboren als Menschen verstarben. 2007 lag die rechnerische Lücke zwischen Neugeborenen und Verstorbenen bei 141 000 ohne die Abtreibungen von 114 500 Neugeborenen in Deutschland wäre diese Bilanz weniger negativ ausgefallen. 

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