Partei der Mitte

Kommentar
An den Rändern sitzt der Tastsinn

Von Frank Walenszus

Die Parteien ob CDU, FDP oder SPD alle drängen sie in die Mitte. Parteien der Mitte wollen sie sein. Überbieten sich in ihrem Geschrei: Wir sind die Mitte! Und wo bleibt der Ruf: Wir sind das Volk! Über Inhalte schweigen sich die Parteiführer aus. Politische Schlagwörter, die dem Volk um die Ohren geknallt werden. Die Mitte beginnt weit oben. Da passt eben die Besteuerung von Bonuszahlungen für Banker nicht ins Bild. Die armen Reichen. Bei rund 80 Millionen Steuerzahlern ist doch weit mehr zu holen.

 

 Leere Worthülsen bleiben solche Bekenntnisse, denn wer und wo die Mitte ist, bestimmen schlicht und ergreifend die so genannten Volksparteien für sich. Die Standortbestimmung ist klar: Wo wir sind, da ist die Mitte. Basta!

 

Da schreckt man den deutschen Michel mit Rechts und Links als Abgesandte der Pandora. Derweil halten die Büchse der Pandora schon längst Merkel und Co. in den Händen. die sie von Zeit zu Zeit, je nach Bedarf, einen Spalt breit öffnen und wieder schließen. Und der Michel: Es hätte ja schlimmer kommen können. Freilich, der Bauch ist voll, das Auto steht vor der Tür und im Sommer ist der Flieger gebucht. Ab in den Süden.

 

 Da halte ich es lieber mit dem Zitat des Schweizer Schriftstellers Adolf Muschg:

„Wie hält es die Mitte mit ihren Rändern? Es ist weise und klug, so zu fragen. Denn die Ränder bestimmen insgesamt die Form einer Gesellschaft, ihre Lebensform; von den Rändern her entwickelt sie sich oder stirbt ab; dort sitzt der Tastsinn für das Neue, das auf sie zukommt; dort entscheidet sich die Gesundheit ihres Stoffwechsels, die Gutartigkeit ihres Wachstums; dort an den Rändern lernt das System – oder es verschließt sich gegen sein Überleben.“

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