Monatsspruch Februar 2010

Gedanken zum Monatsspruch Februar:

Es werden allezeit Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem Lande. (5. Mose 15,11)


Gier und steinerne Herzen


Von Frank Walenszus

Der Monatsspruch verharmlost noch die derzeitige Situation in Deutschland. Freilich hatte Gott als er den Auftrag Mose erteilte nicht Deutschland im Blick, sondern sein israelisches Volk, das aus der Knechtschaft im Ägypterland auszog nach 400jähriger Drangsal. Die jüdischen Brüder sollten erkennen, dass sie ihre Hand auftun, um den Bruder, der in Not ist, beizustehen. Mir kommt da eine Stelle in der Bibel in den Sinn, als eine Witwe ihre letzten Groschen in den Opferstock gab und sich einige Pharisäer über das Wenige entrüsteten. Jesus wies sie zu Recht, indem er sagte. Die Witwe hat von dem gegeben, was sie hatte, was sie zum Leben brauchte, ihr aber gebt von eurem Überfluss. Die Gabe der Witwe ist vielmehr wert, als das, was ihr hineingelegt habt.

Es ist mir aber noch eine andere Episode aus der Kindheit in Erinnerung, als ich das Buch über Mulla Nasrudin, der Till Eulenspiegel des Orients, gelesen hatte. Er kam an einem Teich vorbei, in dem ein Reicher zu ertrinken drohte. Der Reiche war mit seinem Geiz und seiner Drangsal gegenüber den Armen weithin bekannt. Nur wenige wollten ihm helfen. Sie hielten ihre Händen hin und riefen „Gib!“, doch er streckt seine Hand nicht nach der helfenden aus. Mulla Nasrudin erkannte sofort, woran das lag. Er streckte seinen Hand zu ihm hin und sagte „Nimm!“ und der Reiche packte zu und ward gerettet.

Haben wir in unserem Land nicht genügend solcher Mullas des Turbokapitalismus, die Steuern hinterziehen, und Hungerlöhne ihren Arbeitern zahlen, sie ausbeuten und damit ihren Reichtum scheffeln in. Sie geben nur, wenn sie in Fernsehgalas ihre angebliche Hilfsbereitschaft gegenüber von Katastrophen betroffenen Menschen, wie beispielsweise in Haiti, öffentlich zur Schau stellen können. Wie sagte doch Jesus Christus: Wenn du gibst, dann lasse die Rechte nicht wissen, was die Linke tut.

Deutschland ist eines der reichsten Länder auf dieser Welt und doch fristen Millionen Menschen ein Hungerdasein. Jedes sechste Kind ist unmittelbar von Armut betroffen. Rund zehn Millionen müssen von Harz IV und Sozialhilfe leben. Suppenküchen und sogenannte Tafeln für Arme haben Hochkonjunktur, ein Armutszeugnis für dieses Land.

Drei Prozent der Menschen halten rund 98 Prozent des verfügbaren Kapitals in ihren Händen. Die Gier und steinerne Herzen sind zur Lebensregel in diesem Land geworden.

Deutschland hat einen Arbeitgeberpräsidenten, der am liebsten das Leibeigentum wieder einführen würde: her mit arbeitsgerechten Familien, weg mit familiengerechter Arbeit. Ich wünschte mir, dass solche Leute in der Hölle schmoren wie der Reiche in der Bibel, der in der Holle schmachtet und Lazarus, der im Schoße Abrahams ist, um Wasser für die Benetzung der Lippen bittet. Abraham sagte zu Recht zu den Reichen, du hast alles auf Erden gehabt, Lazarus hatte nichts. Der Reiche antwortete: Dann schicke doch bitte Lazarus zu meinen Brüdern und warne sie, sodass sie zur Umkehr kommen, bevor es zu spät ist. Ein Nein ist die Antwort Abrahams.

Wie sagte doch Jesus: Eher geht ein Kamel durch’s Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.




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