Kinderarmut


Linke fordert Grundsicherung für Kinder

Zwei Fünftel aller Sozialhilfebezieher in Sachsen sind Kinder und Jugendliche Armutsatlas: Chemnitz-Erzgebirge hat eine Armutsquote von 20 Prozent


Von Frank Walenszus

Dresden/Kamenz. In Sachsen sind 133.698 Bürger auf dauerhafte Sozialhilfe angewiesen. Das geht aus einer jüngsten Veröffentlichung das Landesamt für Statistik hervor. Damit hat der Freistaat zum Bundesdurchschnitt bei den Fallzahlen pro 1000 Einwohner aufgeschlossen. Nach Auffassung der Linkspartei dürfte jedoch die Zahl der Sozialhilfeempfänger weitaus größer sein, da viele Menschen ihren Rechtsanspruch auf Sozialhilfe nicht kennen oder sich die erniedrigenden Befragungen bei Antragstellung ersparen wollen.

Es sei ein Skandal, so die Linkspartei, dass zwei Fünftel aller Sozialhilfebezieher Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind. Die Partei fordert Sozialministerin Helma Orosz auf, sie für die Einführung einer Grundsicherung für Kinder und Jugendliche auf Bundesebene einzusetzen. Die Staatsregierung müsse endlich ein Programm zur Bekämpfung von Armut erarbeiten und als ersten Schritt einen Armutsreport vorlegen. In Deutschland gelten laut Bundesfamilienministerin 2,4 Millionen Kinder als armutsgefährdet. Ende 2009 gab es in Deutschland sieben Millionen Hartz-IV-Empfänger. In Deutschland und in Sachsen haben Suppenküchen Hochkonjunktur.

Ein von der Forschungsstelle "Der Paritätische Gesamtverband" veröffentlichte Armutsatlas weist für den Großraum Chemnitz-Erzgebirge eine Armutsquote von knapp 20 Prozent aus. In München oder Stutgart liegt die Armutsquote unter 9 Prozent.

Wie der Fernsehsender 3Sat berichtet, gelten laut EU-Richtlinie jene als arm, die über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügen. Vor allem Hartz-IV- und Sozialhilfeempfänger, Migranten und zunehmend auch Alleinerziehende seien von der Armut betroffen.

Der Politologe Christoph Butterwegge sagte: "Vor allem wenn man qualitative Kriterien anlegt, muss man davon ausgehen, dass jedes vierte oder fünfte Kind arm ist. Dabei geht es nicht allein um das Geld, das in einem Haushalt vorhanden ist, sondern darum, ob Kinder in bestimmten Lebensbereichen wie Wohnen, Gesundheit, Bildung oder Freizeit benachteiligt sind. Davon ausgehend kann man bestimmt etwa drei Millionen Kinder in der Bundesrepublik Deutschland als arm bezeichnen."

Laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung nützen Sachleistungen armen Familien mehr als höheres Kindergeld. Arme Kinder jedenfalls profitierten von Hortplätzen, Ganztagsschulen und Jugendclubs mehr als von staatlichem Geld, das bei ihnen oft nicht ankomme.Die jüngste Kindergelderhöhung wurde in den Hartz-IV-Bezügen eingerechnet. Kinder von Hartz-IV-Empfängern gingen somit leer aus. Gefordert sei eine Familienpolitik, die vor allem diejenigen unterstützt, die es am nötigsten haben.

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