Stresstest für Banken


Kommentar

Stresstest für Banken mit Placeboeffekt

Finanzexperten bewerten den Stresstest als Beruhigungspille für die Politik


Von Frank Walenszus

Sandkastenspiele boten schon immer ein Bild fern jeder Realität. Mit dem Stresstest für 91 europäische Banken wollte die Politik einer Wiederholung der Bankenkrise von 2008 vorbeugen. Kurzum, geprüft wurde, ob bei einem extremen Rückgang der Wirtschaftsentwicklung, verbunden mit Verlusten an vergebenen Krediten und ähnlichen Finanzaktionen die Rücklage der Banken (Eigenkapital) nicht unter die kritische Marke von sechs Prozent des Risikokapitals rutscht. Mit dem Eigenkapital müssten quasi die Verluste aus dem Risikogeschäft gedeckelt werden. Banken, die nach dem Ausgleich der Verluste unter sechs Prozent Eigenkapitalquote rutschten bestanden den so genannten „Stresstest“ nicht.

Die Politik ist des Lobes voll ob des Ergebnisses. Nur wenige Banken erfüllten die vorgegebenen Margen nicht. Kein Wunder, denn unabhängige Finanzexperten bewerteten den Test ohnehin als zu seicht. Dennoch wartete man mit der Veröffentlichung der Ergebnisse bis Börsenschluss, um mit doppeltem Boden zu arbeiten und allen Eventualitäten vorbeugen zu können. Zu leicht hätte der Test im sensiblen Getriebe der Börsen sich ins Negative kehren können. Dass die Kriterien nicht zu hoch gesteckt waren, macht das Abschneiden griechischer Banken bei dem Test deutlich – nur eine griechische Bank viel durch, obwohl das Land immer noch hart am Staatsbankrott schrammt.

Nun ja, Banker klopfen sich auf die Schultern, die Politik ist mit der vorbeugenden Untersuchung zufrieden, ein Placeboeffekt, der nachhaltig wirkt und die arg angeschlagene Psyche der europäischen Finanzminister in einem Freudentaumel wandelt. Doch selbst Banker bewerten den Test als Beruhigungspille, denn an den Finanzmärkten wird wieder kräftig Geld verdient, als ob die Bankenkrise nie existent gewesen sei. Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt und der europäische Steuerzahler schultert sie.


23. 07. 2010
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