Monatsspruch September


Gedanken zum Monatsspruch September:

Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.
Prediger, 3,13

Die bittende Hand ganz nahe


Von Frank Walenszus

Der Monatsspruch hat mich im ersten Moment ein bisschen irritiert.Ist Essen und Trinken nicht eine Voraussetzung, um guten Mutes zu sein? Mit hungrigem Magen und durstiger Kehle wird einem doch jeder Moment verhagelt. Gott sei Dank muss ich nicht darben an Nahrung für Geist, Körper und Seele.

Im Vaterunser beten wir, „unser tägliches Brot gib uns heute“, doch erkennen wir immer, dass gerade das nicht immer selbstverständlich ist. Beim Essen und Trinken macht Gott scheinbar keine Unterschiede zwischen den Menschen. Oder doch? Im reichen Land Deutschland sind viele Menschen von der Armut betroffen. Kinder kommen ohne Pausenbrote in die Schule, viele haben kaum das tägliche warme Essen. Suppenküchen und Tafeln haben in Deutschland Hochkonjunktur. Wer Hunger verspürt, kann kaum guten Mutes sein. Rund jedes sechste Kind lebt in Deutschland in Armut. Ich habe noch keine Spendengala für in Armut lebende deutsche Kinder im deutschen Fernsehen erlebt. Doch 32.9 Milliarden kostete dem deutschen Steuerzahler bisher der Afghanistankrieg, um die korrupte Regierung von Karsai an der Macht zu halten, derweil sich immer mehr deutsche Familien Sorgen um das tägliche Brot machen müssen.

Im Buch der Prediger wird die Frage nach dem Sinn des Tuns aufgeworfen. König Salomo vergleicht alles menschliche Tun mit einer Jagd nach dem Wind, denn alles ist vergänglich, nichts Irdisches ist für die Ewigkeit bestimmt. Zu dieser Erkenntnis kommt auch König Salomo. Damals wie heute gültig. Auch Menschen, die auf Gott vertrauen, stehen in der täglichen Gefahr durch die Wohlstandsgesellschaft übersättigt zu werden und unempfänglich für die Sorgen anderer zu werden. Wir schauen weit in den Horizont und übersehen die bittende Hand nahe bei uns.

Im Kapitel 4, 1–3 kommt König Salomo zu einer fatalistischen Erkenntnis: „Ich habe auch gesehen, wie viel Ausbeutung es in dieser Welt gibt. Die Unterdrückten weinen, aber niemand trocknet ihre Tränen. Niemand hilft ihnen, denn ihre Unterdrücker haben die Macht. Wie gut haben es die Toten! Ihnen geht es besser als den Lebenden. Noch besser sind die dran, die gar nicht geboren wurden und die Ungerechtigkeit auf der Erde nicht sehen mussten.“

Wer Essen und Trinken jedoch als Gabe aus Gottes Hand sieht, empfindet Freude und Dankbarkeit zu teilen, anderen zu helfen. Dessen Tun wird nicht durch einen selbstherrlichen Egoismus bestimmt: Ich habe mir all den Wohlstand erarbeitet, frei nach dem Motto, vom Tellerwäscher zum Millionär. „Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes (Prediger 3,13).


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