Behörde prüft Wasserpreise

Wasserpreise im Fokus der Kartellbehörde

Die Prüfung der Preise für Abwasser wäre nun der nächste logische Schritt

Von Frank Walenszus

Das Landeskartellamt Sachsen prüft seit Mai 2010 die Trinkwasserpreise im Freistaat. Möglich wurde das, da zu Beginn dieses Jahres der Bundesgerichtshof für Preismissbrauchskontrollen den Weg frei gemacht hatte. Der Verdacht lag nahe, dass Trinkwasserversorger ihre Monopolstellung missbrauchen könnten. Besonders das Gebiet der ehemaligen DDR entwickelte sich nach der Wende zu einer Hochpreisregion für Trinkwasser und Abwasser. Immense Investitionen in diesen Bereichen waren die Ursache.

Die Überprüfung der wasserpreises hatte die FDP-Sachsen ins Rollen gebracht. Laut einem Bericht der „Freien Presse“ liege für einen Dreipersonenhaushalt in einem Einfamilienhaus die Differenz zum günstigsten Anbieter Stadtwerke Niesky (Jahrespreis für 255 Liter /Tag 209,95 Euro) zum Zweckverband Wasserversorgung Lugau-Glauchau bei 130,02 Euro. Das heißt für die gleiche Menge Trinkwasser, bezahlt laut „Freie Presse“ vom 11. Oktober 2010 der Anschlussnehmer an den Zweckverband Wasserversorgung Lugau-Glauchau 339,97 Euro.

Eine Ursache liege zudem im veränderten Verbrauchsverhalten. Lag im Freistaat Sachsen zur Wendezeit der Verbrauch bei 150 Liter Pro Kopf und Tag, seien es aktuell nur noch 85 Liter bei einer zugleich sinkenden Bevölkerungszahl schreibt die „Freie Presse“.

Die hohen Preisunterschiede für Trinkwasser sind jedoch nur die halbe Wahrheit, denn wo Wasser verbraucht wird, muss es quasi auch entsorgt werden. Die Konsequenz aus der Preisüberprüfung für Trinkwasser müsste folglich lauten, auch die Wasserentsorger und deren Preisgestaltung unter die Lupe zu nehmen.

Für 2009 erhob beispielsweise die Westsächsische Abwasserentsorgungs- und Dienstleistungsgesellschaft Weidensdorf für meinen Zweipersonenhaushalt einen Grundpreis von 179,93 Euro. Dem steht ein Mengenentgelt von 198,71 Euro gegenüber. Für mich ist das ein Missverhältnis.

Wie die „Freie Presse“ schreibt, seien Wasserversorgungsanlagen zum Teil durch sinkenden Verbrauch und geringer werdenden Bevölkerungszahlen überdimensioniert. Gleiches trifft m.E. mit Sicherheit auch auf einige Wasserentsorgungsanlagen zu.

Unverständlich ist es zudem, warum Wasserentsorger keine Trennung von tatsächlichen Abwasser und Oberflächenwasser vornehmen. Die allerorten entstandenen Einkaufstempel und Gewerbegebiete mit der einhergehenden hohen Versiegelung des natürlichen Bodens gehen eindeutig zu Lasten der Haushalte, die dafür bezahlen. Eine Aufsplittung der Kostenstruktur würde die Haushalte entlasten, Wirtschaft und Supermärkte, aber auch Kommunen stärker belasten. Eine getrennte Berechnung von eingeleiteten tatsächliche Abwasser und dem Oberflächenwasser würde zudem der zunehmenden Versiegelung des natürlichen Bodens entgegenwirken. Wer die Natur zubetoniert, sollte dafür auch bezahlen.

20. Oktober 2010
nach oben

Kommentar schreiben

Kommentare: 0