Cyber-Warfare


Der Cyberkrieg hat bereits begonnen

Atomprogramm der Republik Iran bereitet der westlichen Welt zunehmend großes Unbehagen

Von Frank Walenszus

Der Dritte Weltkrieg hat, so scheint es zumindest, leise und von der Weltöffentlichkeit fast unbemerkt bereits begonnen. Keine Kampfbomber, Raketen oder Bodentruppen sind im Einsatz, sondern hochqualifizierte Spezialisten der Informations- und Computerbranche, insbesondere der USA, der NATO und der Geheimdienste tummeln sich im unsichtbaren Netz, haben potenzielle Feinde der westlichen Welt im Visier. Vieren sind die effiziente Kolonne. der Netzkämpfer, die sich unbemerkt in Systeme feindlicher Staaten hacken, die strategischen Zentren der Feindobjekte lahmlegen, Forschungsanlagen oder Rüstungsunternehmen zerstören.

Die Republik Iran ist da besonders im Fokus der USA und der NATO geraten, die dem Iran in der Atomforschung das Recht auf Selbstbestimmung absprechen. Interessant dürfte da ein Artikel der Jerusalem Post sein, der im Newsletter der Israelischen Botschaft am 16. Januar 2012 verschickt wurde, der insbesondere das Atomprogramm des islamischen Staates zum Inhalt hat.

Der Iran treibe sein Atomprogramm immer weiter voran, und es scheint im Moment keinen effektiven Weg zu geben, ihn davon abzuhalten, heißt es in dem Beitrag. „Sollte die derzeitige Lage weiter unverändert bleiben, sehen wir uns möglicherweise wirklich bald mit einem nuklearen Iran konfrontiert“, konstatiert das Blatt. Der Iran arbeite weiter an der Entwicklung von Atomwaffen, und wie es scheine, könnten diese bereits im nächsten Jahr bereit sein. Die jüngste Entwicklung in dem Konflikt sei die iranische Ankündigung, jetzt auch in einer neuen Einrichtung in Fordo, nahe der heiligen Stadt Qom, Uran anreichern zu wollen.

Die Jerusalem Post schätzt ein, dass die unmittelbar bevorstehende Eröffnung einer weiteren Anreicherungsanlage eine militärische Lösung verkompliziere, da die neue Anlage tief in der Erde, nahe einer sehr gut geschützten Militärbasis, vergraben ist und damit weitaus besser gegen Luftangriffe geschützt sei als die alte Uran-Anreicherungsanlage in Natanz. Und selbst wenn ein Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen erfolgreich wäre, kämen seine geopolitischen Konsequenzen einem Albtraum gleich, obwohl die Aussichten eines nuklearen Iran nicht weniger albtraumhaft wären, orakelt das Blatt.

Interessant dürfte die Schlussfolgerung in der Redaktionsstube der Jerusalem Post sein, dass verdeckte Aktionen weitaus weniger riskant seien, aber auch nicht so effektiv. So habe beispielsweise die Ermordung von Mostafa Ahmadi Roshan, dem Direktor der Uran-Anreicherungsanlage von Natanz, dem Atomprogramm zweifellos einen Schlag versetzt. Doch dieser Schlag sei, wenn überhaupt, nur vorübergehend, da Roshan natürlich nicht die einzige Person im Iran war, die in das Atomprogramm eingeweiht war.

Allerdings räumt die Redaktion der Jerusalem Post ein, dass Aktionen dieser Art negative Nebenwirkungen haben. Sollten die USA hinter der Ermordung von Roshan stecken, könnte es für die Obama-Regierung theoretisch schwierig werden, gemeinsam mit Russland und China eine einheitliche Front gegen den Iran zu bilden, so deren Auffassung. Auch befürchten einige, dass gezielte Tötungen das Lager der Extremisten stärken würden. Jedoch sei es heutzutage ohnehin nahezu unmöglich, überhaupt moderate Kräfte in der iranischen Führung auszumachen.

"Cyber-Warfare" und andere nicht-tödliche Aktionen hingegen, so wie der Virus Stuxnet, würden viel weniger eine potenzielle Koalition unter den USA gefährden. Sarkastisch konstatiert das Blatt, dass einige dieser Aktionen den Iranern auch als „Unfälle“ präsentiert werden könnten. Zumal Wirtschaftssanktionen bisher noch keinen Einfluss auf die iranische Atompolitik gehabt hätten, auch wenn sie einigen Schaden angerichtet haben.

Irans Drohung, die Straße von Hormus zu schließen, könnte ein Zeichen seiner wachsenden wirtschaftlichen Verzweiflung sein schlussfolgert die Jerusalem Post. Obwohl eine neue Runde von Sanktionen des UN-Sicherheitsrats durch Russland und China zunächst verhindert wurde, würden jetzt die US- und EU-Sanktionen greifen. Japan habe zugesagt, weniger iranisches Öl zu kaufen und Südkorea wolle sich nach anderen Lieferanten umsehen. Ein neues US-Gesetz, das Geschäfte mit der iranischen Zentralbank unter Strafe stellt und ein Öl-Embargo, das von den EU-Außenministern am 23. Januar verabschiedet werden soll, könnten noch weitaus größere Auswirkungen haben, so die Jerusalem Post.

Eine Kombination aus verdeckten Operationen, Wirtschaftssanktionen und diplomatischem Druck mit der militärischen Option auf dem Tisch sei der einzige Weg, Teheran zurückzudrängen, postuliert die Jerusalem Post.

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