Den Blick verändern und Neues erkennen

Fliednerwerk „Dorf im Dorf“ und Gemeindeverwaltung beteiligen sich an der Aktion „Perspektivwechsel“ der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege


Der Hohndorfer Bürgermeister Matthias Groschwitz und Ralf Bauer arbeiten Hand in Hand, um Holzelemente eines alten Gartenstuhls wieder aufzubereiten. Das verwitterte Holz muss abgeschliffen und alte Eisenteile sind zu entfernen.                (Fotos: FW)
Der Hohndorfer Bürgermeister Matthias Groschwitz und Ralf Bauer arbeiten Hand in Hand, um Holzelemente eines alten Gartenstuhls wieder aufzubereiten. Das verwitterte Holz muss abgeschliffen und alte Eisenteile sind zu entfernen. (Fotos: FW)

Von Frank Walenszus

Hohndorf. Bürgermeister Matthias Groschwitz an einer Werkzeugbank der Fliednermanufaktur. Grit Kunze vom Sozialamt begleitet Menschen mit Behinderungen bei ihrem Einkauf. Hohndorfer nahmen das am Mittwoch (29. August) mit Erstaunen zu Kenntnis. Eingeladen dazu hatte Volkmar Martin, vom Fliednerwerk Sachsen „Dorf im Dorf“ in Hohndorf, das sich erstmalig an der „Aktion Perspektivwechsel“ der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege des Freistaates beteiligte, die vom 27. bis 31. August 2012 im Freistaat Sachsen stattfand. Mit der Aktion soll der Blick auf die Belange der Menschen mit Behinderungen verändert werden. Verwaltungsmitarbeiter öffentlicher Einrichtungen sollen so einen besseren Einblick im Alltag der Betroffenen bekommen und in Erfahrung bringen, wie sich politische Entscheidungen auf die Lebensverhältnisse der Menschen mit Behinderungen auswirken.

Für Bürgermeister Matthias Groschwitz und seinem Team der Ortsverwaltung ist das nichts Neues. Die Gemeinde weiß um die Belange der sozialen Einrichtung und doch nutzten sie die Möglichkeit, ein paar Stunden am Alltag der Bewohner und Betreuungsmitarbeiter des „Dorf im Dorf“ teilzunehmen. „Das ist eine gute Möglichkeit, Einblick zu nehmen und mögliche Erkenntnisse für die eigene Arbeit in der kommunalen Verwaltung zu gewinnen. Gewissermaßen hinter die Kulissen zu schauen“, ist sich der Ortschef sicher.

Während Grit Kunze vom Sozialamt den Einkauf im nahen Markt vorbereitet und Bewohner der Einrichtung ihren Einkaufszettel erstellen, wartet auf Bürgermeister Groschwitz Arbeit in der Fliednermanufaktur im Einkaufszentrum. Seit Juni vergangenen Jahres nutzt das „Dorf im Dorf“ ein ehemaliges Ladengeschäft als Werkstatt. Hier werden acht Frauen und Männer, die eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen nicht besuchen können, an handwerkliche Arbeiten herangeführt. Werkstattleiter Gunter Leonhardt sieht darin eine Chance, in absehbarer Zeit dennoch die Selbstständigkeit einiger so weit zu verbessern, dass sie für eine Tätigkeit in der Stollberger Werkstatt für Behinderte der Lebenshilfe befähigt werden.

Gunter Leonhardt präsentiert Produkte der Fliednermanufaktur aus Keramik, die als Wandschmuck dienen.
Gunter Leonhardt präsentiert Produkte der Fliednermanufaktur aus Keramik, die als Wandschmuck dienen.
Renè Mothes fertigt aus Holzstücken Stäbe für Feueranzünder.
Renè Mothes fertigt aus Holzstücken Stäbe für Feueranzünder.
Betreuerin Ines Reichel (links), Stefanie Paulig und Roberto Theumer beim  Anfertigen der Feueranzünder.
Betreuerin Ines Reichel (links), Stefanie Paulig und Roberto Theumer beim Anfertigen der Feueranzünder.
Mirko Siegel beim Zuschneiden der Holzwerkstücke.
Mirko Siegel beim Zuschneiden der Holzwerkstücke.

„Bis es allerdings soweit ist können die acht Behinderten ohne Leistungsdruck in der Holzbearbeitung, im Herstellen von Keramik- oder Textilerzeugnissen sowie in der Farbgestaltung nötige handwerkliche Kenntnisse erwerben“, weiß Gunter Leonhardt. Und dass sie mit Eifer und Spaß bei der Sache sind stellte auch der Ortschef fest. Er widmet sich gemeinsam mit Ralf Bauer eines kaputten Holzstuhls. Das vom Wetter gezeichnete Holz wird aufgearbeitet, verrostete Schrauben werden entfernt, um den Gartenstuhl im neuen Glanz wieder erstehen zu lassen.

Dass die Manufaktur in gewisser Weise ihren Namen zu Recht trägt beweisen deren Beschäftigen auch mit innovativen Lösungen. Sie entwickelten unter anderem einen Kohleanzünder für Grill und Kamin. Die Lösung ist so frappierend wie einfach. Genutzt werden dafür Einbandpappen der Schreibblöcke, die in langen Streifen geschnitten, mit dünnen Holzstäbchen verflochten zu einem dicken Bündel aufgerollt werden. Teilnehmer der „Schwarzen Pause“ im Bergbaumuseum Oelsnitz erhalten ein in der Manufaktur weiter bearbeiteten kleinen Hunt mit der symbolisch letzten geförderten Steinkohle im Oelsnitz-Lugauer Bergbaurevier. Keramik oder Bilder mit Naturmaterialien, schmuckes textiles Design, fantasievoll gestaltet, künden ebenfalls vom Geschick der hier Tätigen. Bürgermeister Groschwitz ist denn auch des Lobes voll über die engagierte Arbeit der Betreuer und der Beschäftigten in der Manufaktur, die mit Liebe und Fleiß bei der Sache sind und sich so in einer für sie schwierigen Lebenswelt verwirklichen können.

Wie Menschen mit kognitiven Behinderungen ihren Alltag dennoch relativ meistern können, das erfuhr auch Grit Kunze auf ihrer Einkaufstour. So bewahren sich Bewohner des „Dorf im Dorf“ ein Mindestmaß an Selbstständigkeit. Den Blick auf diese Dinge zu verändern und neu zu definieren, dazu hat der Mittwochvormittag in der Einrichtung des Fliednerwerkes beigetragen, sind sich die Gäste aus der Gemeindeverwaltung Hohndorf sicher. Doch nicht nur für sie, sondern auch für Betroffene und Betreuer war es ein Erlebnis so hautnah ein Stück Alltag gemeinsam gestaltet zu haben.


Nicht nur Spaß für Weiber

Kulturgruppe "Weiberspaß" des Frauenzentrums Lichtenstein nimmt mit Witz und Humor kleine Alltagsprobleme auf die Schippe


Von Frank Walenszus

Lichtenstein. „Weiberspaß“ nennt sich eine Kulturgruppe des Frauenzentrums im sächsischen Lichtenstein. Nein, nicht nur bei ihren weiblichen Mitmenschen strapazieren sie so manche Lachmuskeln, sondern auch bei den männlichen Zuschauern treffen sie den für Humor und Frohsinn zuständigen maskulinen Hirnbereich. Die Rede ist von acht Frauen, die sich vor drei Jahren zusammengefunden haben und ihre Liebe für den im Alltag steckenden Kleinwitz entdeckten.

Ute Hoch vom Frauenzentrum hatte die Idee und weckte die Neugier anderer. Man setzte sich zusammen und entwickelte ein Kleinprojekt mit anfänglich 15 Frauen, die dem Leben eine humorige Seite abgewinnen wollten, obwohl viele von ihnen mitunter nichts zu lachen haben, immer mit der Hoffnung, doch noch von der Arbeitsagentur einen Job vermittelt zu bekommen. So bietet zumindest das Frauenzentrum den Halt, nicht in die häusliche Einsamkeit zu versinken. Gefördert wurde das Projekt von der sächsischen Aufbaubank und die Stadt Lichtenstein tat das Ihrige hinzu.

Die von der SAB geforderte Nachhaltigkeit der Maßnahme ist offensichtlich, denn aus dem Projekt entwickelte sich die Kulturgruppe „Weiberspaß“. Im vergangenen Jahr erfreute sie in rund 30 Auftritten und mit viel Witz und Humor ihre Zuschauer. In diesem Jahr sind es bereits 13 Vorstellungen, so unter anderem zum 550-jährigem Ortsjubiläum von Stangendorf am 11. Juni.

Nun ja, mit dem Ehrgeiz sind Frauen doch mitunter eher verwandt als Männer. So knüpften sie Kontakt zu einer Kabarettgruppe im thüringischen Weimar, trafen sich und tauschten ihre Erfahrungen aus. „Uns geht es vor allem darum in Erfahrung zu bringen, wie machen das andere“, so Ute Hoch. Dabei gehe es nicht um ausgefeilte Perfektion, aber um Spurensuche für neue Vorhaben. „Wir sind eine Freizeit-Kulturgruppe. Wir sind eben so wie wir sind.“

Wie Ute Hoch sagte, ist das Frauenzentrum für alle offen, unabhängig einer Mitgliedschaft. Und wer mal reinschnuppern will, könne das gerne tun. Interessierte Frauen könnten in den Gruppen kreatives Gestalten, Handarbeit, Klöppeln, Wandern, Töpfern, Schwimmen, Sport, Theater oder Bowling ein Betätigungsfeld finden. Derzeit hat das Frauenzentrum Lichtenstein 96 Mitglieder.

Auf Mühlentour durchs Zwickauer Land

Eine Reise in die Vergangenheit – ländlichem Leben und Arbeiten in Mitteldeutschland auf der Spur

Zwickau. Wer sich auf nostalgische Mühlentour begeben will, ist im Zwickauer Land gut aufgehoben. Quer durch den Landkreis bieten sich fünf gut erhaltene Mühlen und ein Mühlenmodell im Maßstab 1:25 in der Miniwelt Lichtenstein.

Die Wetzelmühle Niederfrohna


Im landschaftlich reizvollen Frohnatal liegt die mehr als 445 Jahre alte Wetzelmühle. Seit 1994 baut der Verein Selbsthilfe e.V. den unter Denkmalschutz stehenden Vierseitenhof aus. Dem Besucher bietet sich ein funktionstüchtiges technisches Denkmal und Museum.

Zu sehen ist ein historischer Steinbackofen der Bäckerei, die nach altdeutschen Rezepten ihr Handwerk betreibt. Eine Kerzendreh- und Holzwerkstatt stehen den Gästen ebenfalls zum kreativen Arbeiten zur Verfügung. Ein im Gelände befindliches Gehege mit Ponys, Esel, Lamas und weiteren Tieren dürfte besonders für Kinder sehr interessant sein.

Besonders lockt auch der Bienenlehrpfad, auf ihn entlang werden das Treiben der fleißigen Immen und die Produktion von Honig verständlich dargeboten. Und nach der Besichtigung laden Herberge und Ferienwohnung im historischen Gesindehaus sowie in der Gaststätte zum Verweilen ein. Geöffnet hat die Mühle montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr. (Telefon 03722 949734)

Die Obermühle St. Peter

Einzigartig in Sachsen ist die große Dorf-Wasser-Malmühle mit vier Gängen, in Verbindung mit einem Sägewerk aus dem Jahr 1895 in Glauchau Ortsteil Niederlungwitz (Telefon 03763 17960). Zu sehen sind weiterhin ein altdeutscher Backofen und eine Brotfabrik aus dem Jahr 1860, das Mühlengebäude von 1739 und den Mühlenspeicheraus dem Jahr 1898. Die noch funktionierende Technik bietet zudem mehr als 200 Meter laufende Transmission.

Die Obermühle St. Peter wird unter Wahrung der bestehenden Anlage restauriert. Dem Besucher bieten zudem ein Handwerksmuseum und eine Schusterwerkstatt aus dem Jahr 1905 einen kurzweiligen und den Wissensdurst stillenden Aufenthalt. Thema der Mühlenführungen im Sinne der Bibel ist danach leben und arbeiten. Geöffnet hat die Mühle samstags von 14 bis 18 Uhr, am Deutschen Mühlentag 10 bis 17 Uhr.

Die Lochmühle Hirschfeld

200 Jahre alt ist die mitten im Wald gelegene Lochmühle Hirschfeld. Im Mühlenangebot sind Kreativangebote, die Besichtigung der Kunstgalerie sowie erholsame Ruhe bei Kaffee und Kuchen. Darüber hinaus werden Räumlichkeiten für Feiern vermietet. Touristenlager und Freigelände sind besonders für naturpädagogische Angebote geeignet. Geöffnet hat die Mühle April bis Oktober mittwochs bis Sonntags von 13 bis 18 Uhr, November bis März samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr (Telefon 037607 6910).

Mühle in Langenchursdorf

Die Mühle hat mittlerweile eine Geschichte von 450 Jahre hinter sich. Eine Besonderheit in der Mühlenlandschaft der Tourismusregion Zwickau ist das Hammerwerk in dem Eisenprofile, Stabeisen und andere Produkte für die Dorfschmiede hergestellt wurden. Weiterhin bestand eine Mal- und Ölmühle. 1891 wurde die im heutigen Bild sich bietende Mühle eingerichtet. Die ehemalige Habermann-Mühle soll als technisches Denkmal erhalten werden und ist schon jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich.

Im Juni 2007 wurde innerhalb des Projekts „Erz-Nickel-Pfad Callenberg“ eine Ausstellung zur Mühlenlandschaft von Langenchursdorf eingerichtet, darin sind Modelle von ehemaligen und noch bestehenden Mühlen im Dorf zu sehen. Zu besichtigen ist die Mühle montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr (Telefon 037608 15563)

Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain

Das Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain im Landkreis Zwickau ist eine in Deutschland einmalige Museumsanlage. Das Freilichtmuseum umfasst 80 Gebäude und bauliche Anlagen mit 100 thematischen Ausstellungen auf einer Fläche von elf Hektar.

Das Besondere des Landwirtschafts- und Freilichtmuseums ist darin begründet, dass vom Gutshof bis zum Gartenschuppen der Gebäudebestand im Wesentlichen erhalten ist. Der Schwerpunkt des Konzepts des Museums ist die Präsentation der ländlichen und Arbeitswelt des historischen Mitteldeutschlands zwischen 1890 und 1990. Damit stellt das Museum ein länderübergreifendes Freilichtmuseums der ländlichen Kultur, Technik und Arbeit dar.

Geöffnet hat das Museum 10. Februar bis 30. April und 16 Oktober bis 15. Novemberdientags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr; 1. Mai bis 15 Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr,; 16 . November bis 15. Dezember nur für angemeldete Gruppen.


Junge Leute verlassen das Erzgebirge

Bis 2020 werden rund 45.000 Erzgebirger ihren Hobel beiseite legen

Von Frank Walenszus

Annaberg. Lebten im Jahr 1990 im Gebiet des heutigen Erzgebirgskreises noch 457.000 Einwohner so waren es 2001 bereits 45.000 weniger. Bis 2007 sank die Zahl nochmals um rund 30.000 Menschen. Bis zum Jahr 2020, so eine Studie des Landratsamtes Annaberg werden es weitere 50.000 Erzgebirger weniger sein. Seit der Wende wird der Erzgebirgskreis somit rund 125.000 Menschen verlieren.

Besonders schwerwiegend macht sich dieser Schwund bei jungen Menschen bemerkbar. War 2001 der heutige Erzgebirgskreis für noch 50.000 Kinder und Jugendliche im Alter von null bis 15 Jahren ihr Zuhause, so wird sich deren Zahl bis 2020 auf 36.000 verringern. Fehlende Arbeitsplätze sind dafür die Hauptursache.

Auch im Bereich der erwerbsfähigen Menschen wird ein Erdrutsch die wirtschaftliche Situation im Landkreis deutlich verschlechtern. Waren 2001 noch rund 280.000 Menschen im Erwerbsleben, so sank deren Zahl bis 2007 auf 271.00 und wird bis 2020 auf rund 200.000 verringern. Die Folgen für einen sich selbsttragenden Aufschwung im Erzgebirge sind dramatisch.

Bis 2020 wird der Erzgebirgskreis laut Studie des Landratsamtes 45.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter verlieren. Damit sinken zugleich die Schlüsselzuweisungen für den Erzgebirgskreis dramatisch. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Gewährung soziale Leistungen und der öffentlichen Investitionstätigkeit.

Die Entwicklung sei, laut Studie, mehr als ernüchternd. Hatte man in den Jahren 2007/2008 nur mit einer Abwanderung von 3500 Einwohnern gerechnet, waren es tatsächlich 5200, die das Erzgebirge verlassen haben. Gleichzeitig wird die Zahl der Senioren von 83.000 im Jahr 2001 auf 104.000 im Prognosejahr 2020 steigen. Mit der sinkenden Zahl an Leistungsträgern registriere der Landkreis nicht nur weniger junge Leute, sondern müsse zugleich damit einen Rückgang möglicher Geburten einplanen. Mit Zunahme der Menschen im höheren Lebensalter erhöhe sich zudem auch die Zahl der Menschen mit Behinderungen, derzeit sind im Erzgebirgskreis rund 26.300 Bürgerinnen und Bürger betroffen. Davon haben 22.934 Menschen nur eine Behinderung, 3366 Menschen weisen Mehrfachbehinderungen auf.


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Reise durch zwölf Jahrzehnte Spielzeugwelt

Erstes privates sächsisches Puppen- und Spielzeugmuseum in Lichtenstein – Da bekommen nicht nur Kinder große Augen


Lichtenstein. Nicht nur Kinder lockt das erste private sächsische Puppen- und Spielzeugmuseum in die Ausstellungsräume. In dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude, das von 1993 bis 1996 saniert wurde, sind Puppen, Dampfmaschinen Eisenbahnen, Bauernhöfe, Burgen und erzgebirgisches Spielzeug aus rund 120 Jahren zu sehen. Familie Flämig kam aus dem vogtländischen Neuensalz nach Lichtenstein und richtete im Gebäude des alten Rathauses das Museum am Altmarkt ein.

Bereits in der dritten Generation sammelt die Familie Spielzeug und bereitete es auf. Im Erdgeschoss des Spielzeugparadieses aus zwölf Jahrzehnten befinden sich zudem ein Spielzeugladen und eine Werkstatt, in der auch für Kunden historisches Spielzeug restauriert wird. Reisegruppen bis 50 Personen werden von dem Museumsbesitzer persönlich durch die Ausstellung geführt.

In Bastelräumen des Museums können Schulklassen und Kindergruppen ihren kreativen Einfallsreichtum freien Lauf lasse (Anmeldung ist erforderlich). Außerdem finden Kurse für Puppen- und Teddymacher statt.

Ein kleines Café im Museum lädt nach dem Rundgang in stimmungsvoller Atmosphäre zum Besuch ein. Hier können auch Familien- und Gruppenfeiern bis zu 25 Personen stattfinden. Geöffnet hat das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (Telefon 037204 83383).

Kommentar

Für Kinder nichts übrig?

Freistaat Sachsen beteiligt sich nicht am EU-Schulobstprogramm

Von Frank Walenszus


Knausert der Freistaat Sachsen bei Leistunge für Kinder? Zumindest könnte man zu der Schlussfolgerung kommen, zieht man nur das aufgelegte EU-Schulobstprgamm zu Rate. Ziel des Projektes ist es, schon frühzeitig Kinder an eine gesunde Ernährung heranzuführen. Immerhin lässt sich Brüssel das 20 Millionen Euro kosten.

Einmal mehr hat Deutschland seine Kinderfeindlichkeit unter Beweis gestellt, denn nur sechs Bundesländer beteiligen sich an dem Projekt. Das Bundesland Saarland hatte bereits als erstes mit dem Programm begonnen. Noch in diesem Schuljahr wollen Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland Pfalz und der Freistaat Thüringen die Möglichkeiten des EU-Schulobstprogramms nutzen. Das Land Sachsen-Anhalt steigt mit Beginn des neuen Schuljahres ein.

Der Freistaat Sachsen hält sich zurück und nutzt nicht die aus Brüssel kommenden Möglichkeiten. Freilich, wer sieben Millionen Euro in der Jugendförderung streicht, hat natürlich auch mit einer gesunde Ernährung der Kinder nicht viel im Sinn, zumal das Geld aus Brüssel nur zur Hälfte die damit verbundenen Unkosten deckt. Erfreulich, dass dennoch zwei ostdeutsche Länder die Gelegenheit am Schopfe fassen und besonderes Augenmerk auf eine gesunde Entwicklung der Kinder legen.




Kampfjets im Museum ganz friedlich

Einblick in sowjetische und deutsche Militärluftfahrttechnik im Museum am Flugplatz Leipzig-Altenburg



Von Frank Walenszus

Altenburg-Nobitz. Ein von der sowjetischen Armee streng gehütetes Geheimnis offenbart sich den Besuchern des Museums „Flugwelt“ nahe des Flugplatzes Altenburg-Nobitz. In akribischer Arbeit schuf der gemeinnützige Verein ein Museum der Fluggeschichte, das einen Einblick in die Geschichte des Flugplatzes ermöglicht. Hier starteten Agrarflugzeuge und dann die Jagdflugzeuge der MIG-Serie der sowjetischen Luftstreitkräfte in der DDR Gegründet wurde das Museum im Jahr 2005 und seit dem zieht es so manchen Luftfahrtinteressierten in seinen Bann. Heute starten vom Flugplatz Leipzig-Altenburg Passagiermaschinen der Fluggesellschaft Ryanair nach London oder Spanien. Derzeit wird das Abfertigungsgebäude modernisiert.

Das Kampfflugzeug MIG. (Foto: FW)
Das Kampfflugzeug MIG. (Foto: FW)

Was andere Museen wohl kaum zu bieten haben, hier kann der Besucher bis ins Detail am Original und am Modell die faszinierende Welt des Fliegens erleben. Doch nicht nur über das sowjetische Flugwesen wird anschaulich berichtet, sondern auch über die bittere Deutsche Geschichte vom II. Weltkrieg bis in die Gegenwart.

Dem Besucher werden die Ausstellungsstücke bis ins Detail durch Schautafeln in Wort und Bild erläutert. Katapultsitze der sowjetischen MIG sind zu sehen, Strahltriebwerke bis hin zur Ausrüstung der Kampfpiloten. Wer weiß schon, dass die Piloten auf ihrem Schleudersitz in Notfällen mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern in der Stunde aus ihrem Jagdflugzeug katapultiert werden. Zu lesen ist auch von Abstürzen der MIG 21 und der F 114.

Der Seeaufklärer "Breguet Atlantic" der deutschen Bundesmarine. (Foto: FW)
Der Seeaufklärer "Breguet Atlantic" der deutschen Bundesmarine. (Foto: FW)

Ein besonderer Anziehungspunkt ist ein Seeaufklärer der Bundesmarine. Er flog noch selbstständig bis zum Airport Altenburg und fand seine letzte Ruhestätte im Freigelände des Museums. Einer von den einst 14 Seefernaufklärern ist voraussichtlich noch bis Mitte 2010 im Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin" in Nordholz im Einsatz. Diese 14 Aufklärer der Breguet Atlantic Serie wurden durch acht Flugzeuge der P-3C Orion-Klasse ersetzt. Bis zu 19 Mann Besatzung versahen in dem veralteten Luftfahrzeug ihren Dienst und lauschten in die Tiefen der Weltmeere nach feindlichen Unterwasserbooten.

Nicht einmal eine Blechbüchse, die irgendwo auf dem Meeresgrund lag, entging den Marinesoldaten. Luxus gab es an Bord nicht. Die Arbeitsplätze waren zweckmäßig und mit viel Elektronik versehen. In der mit Sicherheitsglas versehenen Rumpfspitze und an den Seiten des Flugzeuges saßen ebenfalls Beobachter, die den Überwasserbereich in Augenschein nahmen. Andere Aufklärer saßen an den sechs bis acht elektronischen Arbeitsplätzen im Rumpf des Aufklärers und spähten elektronisch in die Tiefen der Ozeane. Der Dienst erfolgte rund um die Uhr. "Dienstfreie" Soldaten schliefen in den Kojen, um sich für ihre Schicht fit zu machen. Eine kleine Bordküche diente der Versorgung der Besatzung.

Im unteren Bereich des Rumpfes befanden sich Abwurfeinrichtungen für Torpedos, Wasserbomben und Minen zur Bekämpfung von Unterwasser- und Überwasserzielen. Der schwarze „Pickel“ an der unteren Rumpfseite beherbergte das Radar zum Aufspüren des Gegners.

Erreichbarkeit des Museums: Telefon 03447 515033; Fax 03447 515034