Repro: FW
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Ist mit dem Tod alles aus?

Kritische Gedanken zum Buch von Mathias Schreiber „Was von uns bleibt“ - Untertitel: Über die Unsterblichkeit der Seele

Von Frank Walenszus

Was meinen Sie, was von uns bleibt? Mathias Schreiber widmete sich diesem Thema über die Unsterblichkeit der Seele (erschienen im Spiegel Verlag Hamburg). Ein überaus interessantes Buch oder wie die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: Ein erfrischend positionsfreudiges Buch. Titel des Buches: Was von uns bleibt. Der Autor beschreibt dieses Thema aus der Sicht verschiedener Religionen, die Widerspruch hervorrufen, insbesondere seine Betrachtung aus christlicher Sicht.

Schon allein das Eingangszitat lässt seinen Hang zu fernöstliche Religionen erahnen: Der Mensch ist ein Fluss des Lichtes. Der aus der Endlichkeit zur Unendlichkeit fließt (Khalil Gibran, Der Prophet). Schreiber bemüht zudem zahlreiche Philosophen zu diesem Thema. Er greift durchaus ein Thema auf, das die Menschen explizit beschäftigt: Stirbt die Seele mit dem Tod?

Platon beispielsweise widmete sich in seiner Betrachtung mit dem Sinnlichen und Nichtsinnlichen ebenfalls mit dem Gegenstand Seele. Folgen wir Platon, so ist die denkende, nichtsinnliche Seele, nichtsinnliche Ideen als ein reines Modell des Erkennens des Wirklichen, wie beispielsweise das Wesen einer Zahl oder des perfekten Kreises. Die Betrachtung des Kreises beispielsweise setzt allerdings dessen Wesensverwandtschaft mit dem erkannten Kreis voraus, quasi mit der Erkenntnis, dass der ideelle Kreis dem realen sehr nahe kommt, ohne allerdings mit ihm identisch zu sein. Die Entferntheit der begrifflichen Seele von der tatsächlichen führt Platon zu der Schlussfolgerung: Jeder gezeichnete Kreis kann als Zusammenfügung extrem kurzer Geraden dargestellt werden. Bezogen auf die Seele ist sie jedoch in ihrer Einfachheit nicht duplizierbar oder teilbar.

Der Autor schlussfolgert daraus ein Produkt einer wesentlich anderen Idee der Gerade, die zwar Kreis ist, doch ihm selbst widerspricht. Was quasi bedeutet, dass damit die eigene Idee verfehlt wird. Anders gesagt, die Seele ist nicht das Abbild unser wahrgenommenen Seele. Somit bleibt die wesensverwandte Seele selbst, einai aei Kata auta, immer ein und dasselbe. Die Platon'sche Erkenntnis: Das Bleibende war schon immer. Gerade das lässt den Schluss einer körperlich losgelösten Seele zu. Sokrates fasste die Trennung von Seele und Körper mit dem Tod als schrittweise „Entfernung der Seele von dem Sinnlichen“. Das setzt freilich voraus, dass die Seele mit dem Körper verbunden aber nicht identisch ist - quasi die Entfremdung der eigenen Wahrnehmung.

Der Kirchenlehrer Augustinus (354 bis 430 n.Chr.) fasste die Seele als unzeitlich und unsterblich. Die Zeit bestehe jedoch, so seine Überzeugung, aus einer ausdehnungslosen Gegenwart, die eine Vergangenheit, die nicht mehr ist, und eine Zukunft, die noch nicht ist, zusammenhält. Eine ausdehnungslose Gegenwart als ein Zustand des Seins und des Nichtseins zugleich. Ein Zustand als eine nicht fassbare vom Menschen unabhängig existierende nichtsinnliche Größe in Raum und Zeit, die nicht definiert werden kann.

Goethe verstieg sich gar in der Gewissheit, dass, wer die meiste kreative Energie in Werke umsetzt, habe auch die besten Chancen auf ein prägnantes Fortleben in Natur und Geschichte. Zumindest ist hier Widerspruch vonnöten. Wer kreative Energie als Basis für ein prägnantes Fortleben der Seele in Natur und Geschichte bewertet, würde die Unsterblichkeit der Seele einengen, sie deklassieren als einen Wurmfortsatz der Intelligenz. Die gegenseitige Abhängigkeit von Intelligenz und Seele hätte jedoch fatale Konsequenzen für das kollektive Bewusstsein der Rasse Mensch und dessen gesellschaftliche Bindung. Einige Philosophen erkannten wohl die sich darin bergende Gefahr und interpretierten die Seele als einen Teil der fleischlichen Existenz des Menschen, die jedoch ohne den fleischlichen Körper defakto existieren könne, im Übergang vom Sinnlichen zum Nichtsinnlichen. Beweisen können wir das allerdings nicht.

Allein der Glaube versetzt den Christen in die Lage, auf ein Weiterleben nach dem Tod zu hoffen, da Jesus Christus mit seiner Auferstehung nach seiner Kreuzigung dem Tod die Macht genommen hat. Der Glaube an Christus gibt Menschen ihren Tod und ihre Unsterblichkeit zugleich. Welches sinnliche oder nichtsinnliche Leben und welche Aufgabe die Seele übernimmt können wir Menschen nicht einmal erahnen. Die Bibel gibt darüber jedoch ein klares Zeugnis. Die Jünger und Hunderte Menschen sahen Jesus Christus nach seiner Auferstehung.

Der böhmische Philosoph und Mathematiker Bernard Bolzano (1781 bis 1848) schlussfolgerte: „Sehen wir aber mit Deutlichkeit ein, dass unsere Seele eine einfache Substanz und nicht teilbar ist, so muss es uns auch außer Zweifel sein, dass sie in Ewigkeit fortdauern werde.“

Die Unzerstörbarkeit der Seele wird von vielen Philosophen als gottgegeben gesehen, so auch vom Stuttgarter Philosophen Robert Spaemann, der auf Kant zurückgreift: Wir müssen ein Bewusstsein denken, in dem alles, was geschieht, aufgehoben ist, ein absolutes Bewusstsein, das im Diesseits nicht existent ist. Was irgendwann niemals wahr gewesen ist, ist auch gegenwärtig nicht wahr.

Diese Zeitgrenzen müssen wir ganz einfach überspringen oder akzeptieren. Wären wir in die Lage versetzt, eine Reise durch die vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Zeit zu unternehmen, könnten wir annähernd der absoluten Wahrheit über das Fortleben der Seele erfassen, da wir aus dem Ich heraustreten. Wir könnten etwas betrachten, das war, derzeit ist und künftig sein wird. Das wäre jedoch gleichbedeutend mit einem quantitativen und qualitativen Sprung seit Eva dem Adam die Frucht vom Baum der Erkenntnis reichte. Das würde jedoch die Menschen in eine erneute konträre Stellung zu Gott bringen.

Man kann darüber streiten oder auch nicht. Es sind Darlegungen von Menschen wie die meinige. Auch Mathias Schreiber kann aus seiner beschränkten Sicht nicht zum Zentrum der Erkenntnis vordringen. Seine oberflächliche Bewertung der Auferstehung von Jesus Christus ist mehr als nebulös, auch wenn er sie scheinbar mit Bibelzitaten spickt. Er bemüht selbst Papst Benedikt XVI., dass Glaube kein blinder Glaube zu sein braucht und vergleicht das Ganze mit einer Steigerung der seelischen Wellness, hinführend zum Zitat des Heiligen Apostels Paulus: „Auf Hoffnung hin sind wir gerettet“ (spe salvi facti sumus).

Unsterblichkeit sei, so schlussfolgert der Autor, nur erstrebenswert, wenn sie selig mache. Er klassifiziert das ewige Leben als eine unaufhörliche Irgendwie-Existenz, die ja auch ein Fluch sein könne und kaum zu unterscheiden sei von der ewigen Verdammnis in der Hölle. Er vergleicht das Glaubensbild mit einem Gemälde: „Erst muss der Betrachter, ermutigt durch einen positiven Anfangsverdacht, den Sprung wagen und hypothetisch an die geheimnisvolle Größe des Kunstwerks glauben – dann plötzlich strömen die Erkenntnisse, und viele delikate Qualitäten werden sichtbar, die dem Betrachter ohne das erste Wagnis zur Bewunderung niemals aufgegangen wären.“

Es bleibt ein fader Nachgeschmack nach dem man das Buch gelesen hat. Das Bemühen von Religionen im Stile einer Cafeteria des Glaubens zeigt einmal mehr ein diffuses Bild etwas erklären zu wollen ohne Kenntnis zu haben. Glaubhaft wäre die Schlussfolgerung des Buchverfassers als Epilog gewesen: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Doch diese Größe hatte der Autor nicht.

17. Oktober 2010
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Falsche Freunde...

...oder die Reise zur Erkenntnis, dem Rufen des Vertrauten nicht zu folgen

Von Frank Walenszus

Hast du schon mal in dein Ich geschaut? Tue es und du wirst Welten entdecken, die du nie für möglich gehalten hättest. Du schaust in dein Ich und ertrinkst. Willst dich von den höchsten Klippen in die Tiefe stürzen. Im Rausch der Sinne, nicht achtend der Dinge.

Es schreit in dir, du Narr! Lebe! Doch was willst du wirklich? Ist es wahr, dass du es ändern möchtest oder willst? Du schaust zu und folgst den Rufen, die dich führen und dich foppen. Du willst nicht mehr nur gerufen sein? Du willst nicht dem Morgen folgen? Was bringt er dir, du weiß es nicht, wohl doch nur Kummer und Sorgen?

Du möchtest entfliehen dieser Welt, dich vergraben in tiefsten Spalten. Der Mensch neben dir schaut dich nur an. Du könntest schreien ob solcher Dummheit, die oberflächlich das Geschehen betrachtet. Vergiss die Welt, vergiss deine Freunde, die dich nie wirklich erkannten.

Stürze dich in die Tiefe deines Ichs, schau nach vorn, lass alles hinter dir. Du erkennst, du hast die Welt überwunden. Das Mögliche ist Wirklichkeit.


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Surreal und paranormal

Kollektive Einsamkeit inmitten pulsierenden Geschehens menschlicher Betriebsamkeit


Von Frank Walenszus

Hast du nicht auch schon einmal das Gefühl gehabt, unter hunderten Menschen und doch allein zu sein. Eine kollektive Einsamkeit. Du bis in einem Strudel der Betriebsamkeit, die du wahrnimmst, aber die sich scheinbar außerhalb von deinem Bewusstsein befindet in einer Parallelität deines Ichs und du bis hilflos, gleich einem Traum der dich bestimmt. Du bist zwar die handelnde Person, doch dein Handeln kann nicht von dir bestimmt werden so sehr du dich mühst.

Du kennst dich selbst nicht mehr, eine Fremdheit beschleicht dich, die dir Angst bereitet, dich trägt und du weißt nicht wohin. Du möchtest schreien, doch du bleibst stumm, denn niemand hört dich. Du schwebst zwischen Sein und Nichtsein, zwischen Erkennen und Irritation, zwischen Leben und Tod. Ein kleiner Schritt nur und du stürzt ab in endlose Tiefen, gleich einem Traum im rasanten Tempo eines entfesselnden Aufzugs, das Ende nicht spürend, die Sinne deine Erkenntnis trügen.

Du weißt, dass dich niemand auffangen kann, auch wenn Hände sich nach dir strecken und dich fassen wollen. Doch du willst dich ihnen entziehen, willst zerstören den Feind in dir. Empfindest Hass gegen dein Spiegelbild. Es schaut dich an, triumphierend und kalt. Und gerade diese Paranormalität führt dich an den Rand des Abgrunds. Du stürzt dich in die Tiefe deines Ichs und du drohst darin zu ertrinken, inmitten von Menschen, die dich umgeben, die du siehst aber sie dich nicht. Du bist nur ein Zuschauer, ausgesperrt.



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Verarmung als Antrieb zum Handeln?

Versuch einer philosophischen Interpretation zur Widerspruchsdialektik in Deutschland auf der Grundlage des Hegelschen Aspekts der Antithese und des Gesetzes der Negation der Negation von Friedrich Engels

Die Verarmung der Mehrheit einer Gesellschaft, so paradox es klingen mag, hat ihre Wurzel im Megareichtum Weniger.
Die Verarmung der Mehrheit einer Gesellschaft, so paradox es klingen mag, hat ihre Wurzel im Megareichtum Weniger.

Von Frank Walenszus

In Goethes Faust Erster Teil, spricht Mephisto: Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets Gutes schafft. Ich bin der Geist, der stets verneint – und das mit Recht, denn alles was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht.

Nehmen wir Deutschland als Beispiel und setzen die Einführung des Euro als den „Urzustand“. Währungsspekulanten, korrupte Politiker und dem Turbokapitalismus erlegene Wirtschafts- und Finanzhaie führten zu einem Staatskollaps und Verarmung der Massen (Hartz IV, Arbeitslosigkeit, Leiharbeit, Hungerlöhne, steigende Kosten, „Verarmung“ des Mittelstands) auf der einen Seite und aus der Speckschicht agierende Parasiten der Gesellschaft auf der anderen Seite. Die daraus resultierenden Verwerfungen sind bereits deutlich als veränderte Quantitäten aber auch Teilqualitäten zu spüren. Sie haben aber noch nicht den Raum ausgefüllt, was zu einer neuen Qualität führen könnte, bedingt durch den relativen Wohlstand des Westens und der erkauften Ruhe im Osten Deutschlands.

Dass großflächige Proteste ausbleiben ist der Tatsache geschuldet, dass die Schmerzgrenze für die Mehrzahl der Bürger noch nicht überschritten wurde. Erst wenn im Westen Deutschlands die Aufhebung des Zustandes im Sinne der Engel'schen doppelten Negation erfolgt und der Geldtransfer nach Osten abbricht, ist der Zustand einer sich widersprechenden Negation erreicht. Deutlich ist das in Griechenland. Hier hat die Verarmung des Volkes eine Quantität und Qualität angenommen, die sich in Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen äußern. Sichtbar wird aber auch in Griechenland, dass der Widerstand des international operierenden Finanzkapitals mit Unterstützung der öffentlichen Gesetzgebung das Volk brutaler ausbeutet als je zuvor.Die verfehlte Politik der Regierung wird von den Griechen geschultert, wie auch in Deutschland.

Die neue Qualität setzt zwangsläufig voraus, dass der europäische Bürger sich vereint, was derzeit noch nicht geschehen ist. Die Herrschenden haben sich vereint, die Beherrschten sind zersplittert. Die Negation dieses Zustandes wird durch nationale Egoismen zwar behindert, kann aber nicht verhindert werden. Denn so wie die Globalisierung des Kapitals gesetzmäßig erfolgt, wird sich ebenso die Arbeit globalisieren.

Wenn also das Seiende sich dadurch definiert, dass es sich vom Abwesenden unterscheidet, nämlich im Gegensatz von Sein und Nichtsein, dann ist das Hinüberwachsen des Einen zum Anderen eine Negation des Bestehenden. Zum Beispiel die Bestrafung der Verursacher der Finanzkrise. Das Eintreten des Staates mit Steuergeld den Kollaps des Finanzsystems zu verhindern entspricht der doppelten Negation. Das heißt, es ist eine scheinbare Rückkehr zum Alten, das in sich die eigene Negation wieder negiert.

Eine Negation des Bestehenden setzt jedoch nicht zwangsweise eine Weiterentwicklung im positiven Sinne voraus. Wobei der Begriff „positiv“ selbst eine Interpretation bedarf. Durch eine Negation entsteht lediglich eine andere Qualität - in unserem Fall Hass und Gewalt.

Das von Friedrich Engels postulierte Gesetz von der Negation der Negation kann von der logischen Betrachtungsweise nur als etwas Statisches angesehen werden. Die doppelte Verneinung einer Aussage hat folglich wie weiter oben bereits erläutert stets denselben Wahrheitswert wie die unverneinte Aussage. Nach dieser Methode handeln exakt die Banker nach dem Finanzcrash wieder. Sie zocken, was das Zeug hält, weil sie genau wissen, dass die Steuerzahler sie bei einem Absturz wieder per Gesetz auffangen. An diese Entwicklung ist die verfehlte Politik der Bundesregierung Schuld sowie der schwarze Filz zwischen Politik und Finanzoligarchie.

Erst eine philosophische Bewertung der doppelten Negation wie sie Engels in der Weiterentwicklung der Hegelschen Auffasung vornahm, führt zu einer Aufhebung der Aufhebung auf qualitativ veränderter Ebene. Es entsteht eine neue Qualität, die sich von der des Ausgangszustandes stark unterscheidet.

Betrachten wir das Verhältnis von Tod und Leben, kommen wir der Erkenntnis einen wesentlichen Schritt näher. Ist der Tod da, ist das Leben abwesend. Ist das Leben da, ist der Tod abwesend. Die Negation der Negation ist zwangsläufig abhängig von längeren Zeitabläufen, im Wechselspiel von Quantität und Qualität. Als Beispiel soll uns entstehendes Leben dienen, unabhängig ob Mensch oder Tier. Mit der Empfängnis tritt quasi eine Negation des Todes ein. Der Mensch entwickelt sich, erst im Mutterleib und tritt dann in die Welt. Er entwickelt sich, verändert die Umwelt, zeugt Nachkommen, bis er letztlich die Welt wieder verlässt. Exakt zu diesem Zeitpunkt, und das ist wohl unstrittig, ist keineswegs der Ausgangspunkt wieder hergestellt.

Die Hegelsche Dialektik betrachtet die Negation als ein Aspekt der kritischen Antithese. Für Hegel stellte sich die Negation als die kritische Ablehnung eines positiven philosophischen Systems dar. Friedrich Engels leitete daraus das Gesetz der Negation der Negation ab. Die Negation eines Istzustandes, bewirkt durch quantitative und qualitative Aufhebungen, die sehr vielschichtig sind, ein langsames oder auch abruptes Aufheben bestehender Qualitäten in ihrer eigenen Negation. Auf die gesellschaftliche Situation in Deutschland bezogen, ist dieser Zustand noch nicht erreicht. Es sind aber Wirkungen erkennbar, die auf eine solche Entwicklung verweisen, wenn selbst der CSU-Mann Heiner Geißler den Kapitalismus in der jetzigen Form in Frage stellt, ohne gleich in den Generalverdacht zu kommen, ein linker Sponti zu sein, oder den Sozialismus einführen zu wollen.


Die Kuh im Propeller

Von Michail Sostschenko

Grigori Kossonossow, der Wächter der Fliegerschule, fuhr auf Urlaub in sein Heimatdorf. "Nun, was ist, Genosse Kossonossow," sagten die Kollegen beim Abschied, "da ihr schon hinfahrt, könnt ihr vielleicht ein bisschen agitieren dort im Dorf, wie? Sagt den Bäuerlein so und so, das Flugwesen entwickelt sich bei uns, vielleicht tragen sie etwas Geld zusammen für ein neues Flugzeug!"

"Da könnt ihr versichert sein," antwortete Kossonossow, "ich werd' schon tüchtig Propaganda machen, wär' was anderes, wenn es nicht ums Flugwesen ginge, aber darüber, seid unbesorgt, werd' ich schon was richtiges sagen!"

Kossonossow kam nach Haus und begab sich gleich am Tag seiner Ankunft zum Dorfsowjet.

"Also", sagte er, "ich will hier ein bisschen agitieren! Kann man nicht eine Versammlung einberufen?"

"Nun, warum nicht, „ sagte der Vorsitzende, "agitiert nur, agitiert nur!" Am anderen Tag rief der Sowjet die Bauern beim Feuerwehrschuppen zusammen. Grigori Kossonossow trat vor sie hin, verbeugte sich und begann: "Also, so ist das, das Flugwesen, Genossen Bauern! Da ihr ein, naja, na Gott naja, ungebildetes Volk seid, werde ich euch etwas von der Politik erzählen. Hier, sagen wir mal, ist Deutschland und dort vielleicht Frankreich. Hier Russland und da - naja, überhaupt..."

"Worüber redest du eigentlich, Väterchen?" fragten die Bauern. "Worüber?" erwiderte Kossonossow empört, "über das Flugwesen natürlich! Blüht halt sehr auf, das Flugwesen! Hier ist also Russland und hier ist China." Die Bauern hörten finster zu. "Halt' dich nicht auf!" rief jemand von hinten. "Red' weiter!"

"Ich halt' mich ja gar nicht auf", sagte Kossonossow eingeschüchtert. "Ich red' ja über das Flugwesen. Es entwickelt sich bei uns, Genossen Bauern, nichts dagegen zu sagen, was wahr ist, ist wahr!"

"Hm, etwas unverständlich, „ rief der Vorsitzende. „ Sie, Genosse, müssen etwas volkstümlicher sprechen, bitte, dass Sie die Masse auch versteht!" Kossonossow trat näher an den Haufen der Bauern heran, setzte verlegen das eine Bein etwas vor und begann von neuem: "Also, Genossen Bauern -man baut Flugzeuge bei uns. Und nachher - ssst - fliegt man! In der Luft sozusagen! Nun, mancher natürlich hält sich oben nicht gut, bums, saust er runter wie der Fliegergenosse Jeremilkin, rauffliegen tat er ganz gut und dann bums, krach, ein nasser Fleck blieb übrig!"

"Ist doch kein Vogel schließlich“, sagten weise die Bauern. "Eben, das sag' ich auch!" sagt Kossonossow, erfreut über die Anteilnahme. "Natürlich kein Vogel! Ein Vogel, wenn der herunterfällt, nun ja, er schüttelt sich und los weiter. Anders beim Menschen. War da noch so ein anderer Flieger. Der fiel auf einen Baum und hing da wie ein Äpfelchen. Hat sich natürlich erschreckt, der Arme, es war zum kranklachen!

Ja, ja, ja, verschiedenes passiert so! Da ist einmal eine Kuh bei uns in den Propeller gekommen! Ritsch, ratsch, weg war sie! Auch Hunde!" "Und Pferde?" fragten ängstlich die Bauern. "Auch Pferde, Väterchen?" "Auch Pferde!" sagte stolz im Brustton der Überzeugung der Redner. "Das kommt oft vor!"

"Ach, diese Kanallien, hol' sie der Teufel!" sagte jemand. "Was sie sich jetzt alles ausdenken: Pferde zu Tode quälen - nun Väterchen -und das entwickelt sich jetzt, ja?" "Eben, das sag' ich ja! Es entwickelt sich, Genossen Bauern! Und darum meine ich, sammelt vielleicht die ganze Bauernschaft etwas Geld."

"Wofür denn bloß, Väterchen?" fragten neugierig die Bauern. "Für ein Flugzeug natürlich!" sagte der Redner. Die Bauern lächelten sehr finster und gingen langsam auseinander.

Geld für ein neues Flugzeug brachte Kossonossow, als er von seinem Urlaub zurückkam, nicht mit. Die Bauern seines Heimatdorfes waren eben noch ein zu ungebildetes Volk.




Der Hase im Rausch

 

 Von Sergej Michalkov

 

Der Igel hatte einst zu seinem Wiegenfeste den Hasen auch im Kreise seiner Gäste
und er bewirtete sie alle auf das Beste. Vielleicht ist auch sein Namenstag gewesen
denn die Bewirtung war besonders auserlesen und geradezu in Strömen floss der Wein,
die Nachbarn gossen ihn sich gegenseitig ein.

 

So kam es denn, dass Meister Lampe bald zu schielen anfing, er verlor den Halt,
er konnte nur mit Mühe sich erheben und sprach die Absicht aus, sich heimwärts zu begeben. Der Igel war ein sehr besorgter Wirt und fürchtete, dass sich sein Gast verirrt

Wo willst du hin, mit einem solchen Affen du wirst den Weg nach Hause nicht mehr schaffen und ganz allein im Wald dem Tod entgegengehn, denn einen Löwen wild, hat jüngst man dort gesehn.

Dem Hasen schwoll der Kamm, er brüllt in seinem Tran: Was kann der Löwe mir, bin ich sein Untertan. Es könnte schließlich sein, dass ich ihn selbst verschlinge, den Löwen her, ich ford' ihn vor die Klinge. Ihr werdet sehn, wie ich den Schelm vertreibe, die sieben Häute, Stück für Stück, zieh ich ihm ab von seinem Leibe und schicke ihn dann nackt nach Afrika zurück.

Und so verließ der Hase also bald das fröhlich laute Fest und er begann im Wald von einem Stamm zum anderen zu schwanken und brüllt dabei die kühnlichsten Gedanken laut in die dunkle Nacht hinaus: Den Löwen werde ich zerzausen. Wir sahn in dem Wald noch ganz andre Tiere hausen und machten ihnen doch den blutigen Garaus.

Infolge des geräuschvollen Gezeters und des Gebrülls des trunk'nen Schwerenöters, der sich mit Mühe durch das Dickicht schlug fuhr unser Löwe auf, mit einem derben Fluch und packt den Hasen grob am Kragen: Du Strohkopf willst es also wagen mich zu belästigen mit dem Gebrüll, doch warte mal, halt still, du scheinst mir ja nach Alkohol zu stinken, mit welchen Zeug gelang es dir, dich derart sinnlos zu betrinken.

Sofort verflog der Rausch dem kleine Tier, er suchte rasch, sich irgendwie zu retten: Sie - wir, nein ich oh, wenn Sie Einsicht hätten ... Ich war auf einem Fest und trank viel Alkohol doch immer nur auf Euer Gnaden Wohl und Eurer guten Frau und Eurer lieben Kleinen, das wäre doch, so wollte es mir scheinen ein triftger Grund, sich maßlos zu besaufen. Der Löwe ging ins Garn und ließ den Hasen laufen. Der Löwe war dem Schnaps abhold und hasste jeden Trunkenbold jedoch betörte ihn, wie dem auch sei des Hasen Speichelleckerei.



Der Löwe und die Maus

Von Jean de la Fontaine

Gerade zwischen den Tatzen eines Löwen kam eine leichtsinnige Maus aus der Erde. Der König der Tiere aber zeigte sich wahrhaft königlich und schenkte ihr das Leben.

Diese Güte wurde später von der Maus belohnt - so unwahrscheinlich es zunächst klingt. Eines Tages fing sich der Löwe in einem Netz, das als Falle aufgestellt war. Er brüllte schrecklich in seinem Zorn - aber das Netz hielt ihn fest. Da kam die Maus herbeigelaufen und zernagte einige Maschen, so dass sich das ganze Netz auseinanderzog und der Löwe frei davongehen konnte.



Zwei Freunde und ein Bär

Von Äsop

Zwei Freunde gelobten sich gegenseitig, sich in allen Fällen treu beizustehen und Freud und Leid miteinander zu teilen. So traten sie ihre Wanderschaft an.

Unvermutet kam ihnen auf einem engen Waldwege ein Bär entgegen. Vereint hätten sie ihn vielleicht bezwungen. Da aber dem einen sein Leben zu lieb war, verließ er, ebenso bald vergessend, was er kurz vorher versprochen hatte, seinen Freund und kletterte auf einen Baum. Als sich der andere nun verlassen sah, hatte er kaum noch Zeit, sich platt auf den Boden zu werfen und sich tot zu stellen, weil er gehört hatte, dass der Bär keine Toten verzehre.

Der Bär kam nun herbei, beleckte dem Daliegenden die Ohren, warf ihn mit der Schnauze einige Male herum und trabte dann davon, weil er ihn für tot hielt. Sobald die Gefahr vorüber war, stieg jener vom Baume herab und fragte seinen Gefährten voll Neugierde, was ihm der Bär zugeflüstert habe? Eine vortreffliche Warnung, antwortete dieser, nur schade, dass ich sie nicht früher gewusst habe.

Man solle sich nicht mit Menschen einlassen, die ihre Freunde in der Not verlassen.



Sehen oder glauben
Sofies Welt

Von Äsop

Eines schönen Tages trafen sich ein russischer Gehirnchirurg und ein Kosmonaut. Sie philosophierten über Gott und die Welt. Der christliche Gehirnchirurg fand jedoch nur wenig Verständnis für seinen Glauben.

Hör zu, sagte der Kosmonaut, ich bin schon sehr oft ins All geflogen, habe die Erde mehrere hundert Male umrundet und mit hochauflösenden Fernrohren ins All geschaut, aber ich habe noch nie Gott gesehen. Glaube mir, sagte der Gehirnchirurg, ich habe schon Hunderte Gehirne von ach so schlauen Menschen operiert und ich habe noch nie auch nur einen einzigen Gedanken gesehen.




Der Mensch ist das, was er denkt
- Gedankenspiele -

Von Frank Walenszus

Alles, was du tust, geschieht nicht aus dir selbst heraus. Es ist vorbestimmt. Du glaubst ein unabhängiges, universelles Wesen zu sein, das mit der einzigartigen Gabe beschenkt wurde – mit dem Denken. Das ist jedoch dein größter Irrtum, denn auch dein Denken wird bestimmt.

Du sagst, die Gedanken sind frei. Sind sie das wirklich? Wo beginnt und endet deren Freiheit. Setzt du ihr nicht selbst Grenzen? Denn bist du bereit, gedanklich bis zum Äußersten zu gehen, dann ist es nur ein kleiner Schritt bis zum tatsächlichen Vollzug. Teste dich aus und beginne ein virtuelles Spiel. Stell dir vor, du begegnest deinen ärgsten Feind. Wie oft hast du gewünscht ihn in der Hölle schmoren zu sehen. Elendig darben, die Lippen verschorft vor Trockenheit, auf ewig verfolgt von seinen bösen Taten ohne Gnade. Würdest du ihm Wasser reichen oder ihn grausam leiden lassen, wenn du die Möglichkeit hättest? Beantworte diese Frage und du weißt wer du bist.

Nur diese zwei Möglichkeiten beherrschen dich, Vernichtung oder Vergebung. Leid oder Freude. Was meinst du wozu du fähig bist? Denke daran: Der Mensch ist das, was er denkt. Das ist die Ursache allen Übels.




Gewusst wie
Sonne und Wind im Wettstreit

Sonne und Wind sahen einen Mann eingehüllt in einem Regenmantel auf einem Wanderweg laufen. Siegessicher sagte der Wind zur Sonne: He ich zeige dir wie schnell ich den Regenmantel vom Leib des Mannes reißen kann und wurde zum Sturm. Doch je mehr er den Mann bedrängte, um so enger hüllte sich der Mann mit dem Mantel ein. Die Sonne schmunzelte und sagte: Ich will dir zeigen, wie man das zu Wege bringt.Sie wärmte den Mann mit ihren milden Strahlen und ganz von allein entledigte sich der Wanderer des Mantels und freute sich am schönen Wetter.




Der träumende Delfin
Ich würde es wieder tun
Nach Sergio Bambaren

Daniel der Delfin trifft auf seinem Traumweg nach der perfekten Welle einen kleinen Fisch, der seinen Kopf aus dem Wasser heraus der Sonne entgegen streckt.

„Wer bist du“, fragte Daniel. „Man nennt mich den Sonnenfisch“, erwiderte der Fisch. Was für ein lustiger Name, dachte Daniel. „Was tust du, Sonnenfisch?“ Der kleine Fisch dacht kurz nach: „Nachts schlafe ich, und am Tage folge ich der Sonne. Seit ich lebe, versuche ich Tag für Tag, sie zu berühren, bisher leider ohne Erfolg. Aber ich weiß, dass ich es eines Tages schaffen werde.“ Der Delfin wunderte sich sehr. Er fragte: „Ist das dein Traum.“ „Ja“, sagte der Sonnenfisch. „Ich habe immer davon geträumt zu erfahren, wie warm die Sonne wohl ist, wenn sie die ganze Welt am Leben erhält.“

„Ich glaube nicht, dass es dir jemals gelingen wird, die Sonne zu berühren“, sagte Daniel. „Du bist dazu geboren im Meer zu leben, und wenn du es verlässt, wirst du bestimmt sterben.“
„ Jeden Morgen geht die Sonne am Horizont auf, ganz gleich, was ich tue“, sagte der Sonnenfisch. „Ich spüre ihre Wärme, und diese Wärme erinnert mich an meinen Traum. Was würdest du denn in meiner Lage tun? Würdest du deinen Traum aufgeben, oder würdest du weiter versuchen die Sonne zu berühren?“

Der Delfin überlegte. Daniel konnte dieses wunderbare Geschöpf einfach nicht anlügen. „Ich würde weiter versuchen die Sonne zu berühren“, sagte er leise.

„Dann werde ich sterben, während ich versuche, meinen Traum zu verwirklichen, erwiderte der Sonnenfisch. - Das ist immer noch besser als zu sterben, ohne es überhaupt versucht zu haben“, sagte der kleine Sonnenfisch.



Die Hoffnung geht zuletzt
Die verlorene Liebe

Als sie ihm sagte, dass es aus wäre und er ihr zum Abschied einen Kuss auf die Stirn gab, wurde er einer Frau gewahr die ihm zum Lebewohl zärtlich zuwinkte - es war die Liebe. Wir werden uns wieder begegnen sagte die Liebe, aber mach dir keine Hoffnung, es wird nicht hier sein und es wird nicht sie sein, die du jetzt noch liebst.

Also setzte er sich in sein Auto, um nach Hause zu fahren. Auf dem Weg begegnete ihm eine alte zerlumpte Frau, die gebückt ging. Wer bist du? Fragte er die gebrechliche Frau. Ich bin die Traurigkeit, und ich werde dich ein Stück deines Weges begleiten. Tatsächlich traf er sich oft mit der älteren Frau bis diese eines angenehmen Tages sagte, es wird Zeit mich zu verabschieden du wirst jetzt jemand anderen kennen lernen der dich tröstet.

Da bemerkte er einen Mann in den besten Jahren, von dem er gleich wusste dass er der Trost war. Er unterhielt sich gern mit ihm und fühlte wie es ihm allmählich besser ging. Der Trost hörte ihm zu, zeigte ihm neue Wege ging das eine oder andere Mal noch auf seine alte Liebe ein und zeigte ihm, dass es vielleicht auch noch ein klein wenig Hoffnung gab, dass sich alles wieder bessern könnte. Aber die Liebe hat doch gesagt, dass ich ihr nicht wieder bei meiner alten Liebe begegnen werde. Ist es denn schon deine alte Liebe fragte der Trost, aber er erhielte keine Antwort.

Der Trost leistete gute Arbeit und ihm ging es jetzt schon viel besser. Doch der Trost hatte noch einen Helfer der ihn tatkräftig unterstützte und dies war die Zeit. Nun hieß es auch eines guten Tages, dem Trost die Hand zum Abschied zu reichen. Danke du hast mir sehr geholfen, aber es gibt andere die dich jetzt nötiger brauchen. Als er ihn gehen sah, fühlte er sich noch besser als zuvor und er winkte ihm zum Abschied fröhlich nach.

Du hast sie also gehen lassen hörte er eine vertraute Stimme hinter sich sagen. Er drehte sich gut gelaunt zur Weisheit um und sagte ja ich habe den Trost gehen lassen, ein anderer wird ihn dringender brauchen als ich – und ich muss dir sagen ich fühle mich noch wohler – nun wo er weg ist. Das kann ich gut verstehen, doch den du gehen liest das war nicht der Trost. Nicht der Trost fragte er erstaunt – wer war es dann? Die Weisheit lächelte milde und sagte - die, die von dir ging, war die Hoffnung …



Ein tödlicher Kompromiss

Nach einer russischen Fabel

Einst ging ein Jäger in den Wald, um einen Bären zu erlegen, denn es war ein grausiger Winter und dem Jagdmann war es kalt. Tatsächlich nach einiger Zeit des Umherstreifens traf er auf einen Bären. Flugs legt er sein Gewehr und wollte schießen.

„Halt, halt“, rief der Bär zum Jägersmann. „Warum willst du mich erschießen?“ Der Jäger antwortete: „Mir ist es kalt und ich brauche deinen warmen Pelz.“

Der Bär tänzelte ein paar Schritte hin und her ehe er antwortete. „Nun gut du Jägersmann. Du willst einen Pelz weil dir kalt ist, und ich brauche ein Mahl weil ich hungrig bin. Lass uns doch niedersetzen und einen Kompromiss aushandeln.“

Gesagt getan. Sie setzten sich nieder und diskutierten. Nach einer geraumen Zeit stand der Bär auf und ging von dannen. Der Bär hatte seinen Hunger gestillt und den Jäger umhüllte ein wärmender Pelz, jedoch anders als er es sich vorgestellt hatte. (FW)



Dialektik des Nichtsehens

Das Schicksal wollte es so, dass ein junger Christ zum Militär eingezogen wurde. Immer wenn er Wochenendurlaub hatte kam er am Montag voller Freude und Vergebung in die Kaserne.

Seinem Offizier ging das mächtig an den Kragen, weil der Christ zunehmend Einfluss in der Truppe gewann. „Na, waren wir wieder in der Kirche. Sind wohl sehr fromm?“ schnarrte er den jungen Rekruten an. Das Ja des Mannes reizte ihn um so mehr.

„Ich will Ihnen jetzt mal was zeigen.“ Der Offizier brüllte nach dem Spieß und ließ die Kompanie antreten. „Soldaten, einer von Ihnen versaut mir die Truppe mit seinem frommen Gerede über Gott. Ich will Ihnen mal ein Exempel statuieren.“

Breitbeinig posierte der Offizier vor der Truppe und brüllte. „Seht ihr mich!“ „Ja“, kam es wie aus einem Kanonenrohr zurück. „Sehen Sie die Kaserne?“, so sein zweiter Ruf. Erneut kam ein donnerndes „Ja“ zurück. „Sehen sie Gott?“ „Nein, schrie die Truppe. „ Dann gibt es ihn auch nicht“, sagte der Offizier.

Ruhig meldete sich der junge Christ: „Herr Offizier, darf ich meinen Kameraden auch drei Fragen stellen?“ „Natürlich“, sagte der Offizier voller Vorfreude, dass er es vergeigen würde.

„Kameraden, seht ihr unseren Chef?“ „Ja“ schallte es stimmgewaltig über den Excerzierplatz. „Kameraden, seht ihr seine Hände?“ Auch hier röhrte ein Ja über den Platz. „Kameraden, seht ihr sein Hirn?“ „Nein“, tobte die Truppe. „Dann hat er auch keines“, sagte der Christ und reihte sich wieder ein. (FW)